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150 JAHRE OHNE MAKEL GEMAKELT

Anzeige belegt Harling-Jubiläum

Münster-Hiltrup (Eig. Ber.). Gras auf dem Halm gefällig? Oder vielleicht "verschiedene gute Manns- und Frauen-Kleidungsstücke"? Oder gar "Haus-Mobilien und 3 Stück jährige große Schweine"? Die Kunden hatten am 15. Juni 1841 die Wahl, konnten ihr Gebot für diese nützlichen Dinge abgeben. Adolf Schulze Harling, Sohn eines Amelsbürener Landwirts, war als "bestallter •Commissionair für die Bürgermeisterei St. Mauritz" für die öffentliche Versteigerung verantwortlich, die in einer Anzeige des Münsterischen Intelligenzblattes - eines Vorläufers der Westfälischen Nachrichten - veröffentlicht wurde. Zugleich belegt die Annonce das Gründungsjahr des Harling Immobilien-Unternehmens.

In der fünften Generation führt Heinz-Wilhelm Harling nun das Makler-Geschäft. Die Inhalte haben sich in den 150 Jahren des Bestehens allerdings sehr gewandelt. "Früher wurden Produkte versteigert - Äpfel auf den Bäumen, Gras auf Halmen, Getreide auf den Äckern", berichtet der 45jährige Heinz-Wilhelm Harling im WN-Gespräch. Vieh und Inventar von Bauernhöfen haben seine Vorfahren zum Gebot gebracht. "Mein Vater hat diese Versteigerungen noch nebenbei durchgeführt. Ich hab's dann ganz aufgegeben", erklärt der Hiltruper. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die Vermittlung von Grundstücken an Bedeutung. "Aus Spekulationsgeschäften halte ich mich aber vollkommen heraus", stellt der Geschäftsmann klar und verweist darauf, dass er beide Seiten - Eigentümer und Käufer - marktgerecht bediene, keinen Kunden übervorteilen wolle.

Während zur Gründerzeit des Traditionsgeschäftes die Haus- und Grundstücksverwaltung noch gar keine Rolle spielte, ist dieser Geschäftsbereich inzwischen zu einer festen Größe geworden. Gibt es denn in Zeiten von Wohnungsmangel überhaupt noch etwas zu vermieten? "Es wäre schlimm, wenn wir nichts mehr hätten", meint Harling. "Der Markt ist zwar eng geworden, aber es gibt immer noch Wohnungen." Die Probe aufs Exempel beweist es: Mehrere Angebote hat der Hiltruper parat, aber auch eine lange Warteliste von Wohnungssuchenden. "Je größer die Wohnung sein soll, umso schwieriger ist die Vermittlung", erläutert der Makler, der Mitglied des Ringes Deutscher Makler und der Grundstücksbörse Münster e.V. ist.

Die Kontinuität des Unternehmens lässt sich auch am Standort ablesen: Nachdem Ururgroßvater Adolf Harling - mit dem Abzug vom Hof verlor er den Beinamen Schulze - die Firma gegründet hatte, wurde das Geschäft auf Haus Herding - neben landwirtschaftlichen Aktivitäten - betrieben. Großvater Wilhelm Harling verlegte die Firma 1897 an die Bahnhofsstraße, die heutige Marktallee.